Wie sich bereits weitgehend herumgesprochen hat, ist die Projektarbeit im Projektegarten in der Krise. Als ich im Januar in Peru ein Regenwaldprojekt in meine Arbeit mit aufnehmen wollte, fuhr ich im Bus mit Begleitung von den Hochanden (ca 3500 m) in den Regenwald des peruanischen Tieflandes. Bei einer Abfahrt versagten dem Bus die Bremsen. Um den Absturz in eine Schlucht zu verhindert steuerte der Fahrer den Bus gegen eine Felswand. Ich schlief am Fenster und erlitt dabei erhebliche Kopfverletzungen und musste zwei schwere Operationen über mich ergehen lassen. Der lange Krankenhausaufenthalt und die Regeneration beeinträchtigten die Arbeiten im Heubühl wesentlich. Veranstaltungen mit Schulklassen, Kindergärten oder anderen Besuchern mussten abgesagt werden.
Da ich noch nicht genesen bin, schieben wir eine Winterpause bis Anfang März ein. Sollte ich wieder einsatzfähig sein, kann das Projekt ab April weitergeführt werden. Wenn nicht, werden wir versuchen, eine neue Projektgarten-Gruppe bzw. -Leitung aufzubauen, um die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen.
Die mittlerweile 10-jährige Arbeit im Projektegarten und das Agenda21-Projekt der Stadt Bruchsal haben eine sehr positive Resonanz erfahren. Hunderte von Schulklassen, Kindergärten und anderer Besuchergruppen konnten die Heubühltiere erleben und sich über die in Peru unterstützten Gartenbau- und Fischzuchtprojekten informieren. Leider hängen diese Projekte in Peru ohne unsere finanzielle Unterstützung (jährlich ca 10.000 EUR) in der Luft. Doch vielleicht gelingt es uns, im Frühjahr die Gruppe zu verstärken und eine neue Leitung aufzubauen, die diese Arbeit fortsetzt. Dann könnten die vier Gartenbaugruppen in den Hochanden bei Cuzco in Peru weiter unterstützt werden.
Schüler ab 4. Klasse, Jugendliche und Erwachsene können sich mit mir unter 07251/89437 in Verbindung setzen. Jeden Freitag ab ca 15:00 Uhr (nicht bei Regen) kann auch schon im Winter mitgearbeitet werden.
Den Heubühl Projekte-Garten erreichen Sie über die Verlängerung des Mozartwegs Richtung Norden (Ubstadt). Nach einigen hundert Metern bei der nächsten Gabelung halb rechts halten, dann ist es das erste Gartentor auf der linken Seite.
Allen bisherigen Mitarbeiter/innen (ca 20 in den letzten Jahren) sowie allen Spender/innen (in erster Linie Schönborn-Gymnasium und Realschule Ubstadt-Weiher) mein herzlicher Dank.
Bin ein bisschen spät dran mit dem Rundbrief und bald wieder in Peru. Zuerst mal vielen Dank für die Mitarbeit. Unsere ca 10-köpfige Gruppe hat sich bewährt.
Doch Ende Juli hat uns ein schwerer Schlag getroffen, als wir vom plötzlichen Tod unsererMaira erfuhren, die seit Jahren zusammen mit Otmar das Projekt mit aufgebaut hat und besonders die Hasen betreut hat. Wir haben zusammen eine Gedenktafel aufgestellt und so mag sie ein Stück weit bei uns bleiben und zum Nachdenken anregen.
Leider musste Otmar aus gesundheitlichen Gründen immer kürzer treten, u.U. seine Mitarbeit einstellen. Er hat das Projekt die ganzen 10 Jahre intensiv mitgetragen, besonders als Baumeister und erfolgreicher Betreuer von Kindergärten. Mit Ökogemüse hat er uns gut versorgt. Ich hoffe, dass er beim politischen Engagement des Projektegartens eine wesentliche Hilfe bleibt.
Ich selbst musste aus familiären Gründen und Altersschwächeleien ebenfalls kürzer treten.
Gottseidank hat sich Hartmut um die Streuobstwiese gekümmert und Arvid um die Baumarbeiten und Betreuung unserer vier "Baumaffen“(Felix, Max, David, Leo), die fest mit angepackt haben. Leider sind wir dem Eyni-Prinzip, das die Quechua-Indios praktizieren, nicht viel näher gekommen. Verständlich, wenn in der pubertären Wildheit und Launenhaftigkeit die allseitige Mithilfe durch Minuspunkt-Dressuren bestritten werden musste. Arvid, Robin und Hannah haben vorbildlich mitgemacht. Herzlichen Dank für Eure Mitarbeit, besonders auch für Michael Duchardt, der unsere Hompage gestaltet. Das wesentliche Ergebnis unserer Arbeit:
Für unsere Agenda 21-Partner in Peru konnten wir knapp 3000.- EUR bereitstellen. Zwei runde Geburtstage, Großspenden vom Schönborngymnasium und der Agenda 21-Gruppe der Realschule Ubstadt sowie etlichen Kleinspenden ermöglichen eine intensive Stärkung des Partnerschaftsprojektes, das nach erfolgreichen Jahren in den Anden den Schritt in den Regenwald tun kann.
Ich möchte mit einem Fischgartenprojekt, das ich 1974 und 1980 entwickelt habe, im Pionierort
Villa Salvacion einsteigen. Dann soll es mit Agroforstwirtschaft weitergehen.
Ich werde am 10. Januar wie alljährlich nach Peru fliegen und am 6.März zurückkommen, eventuell auch früher. Wer in dieser Zeit im Heubühl etwas machen will, wendet sich an Hartmut Storm (Tel 84890).Ich schließe mit einem Aufruf: Sucht Omas, Opas, Onkels und Tanten…, für verantwortliche Mitarbeit.
Rudolf Sessler
10 Jahre Projektegarten im Heubühl: Agenda 21 Bildungsprojekt der Stadt Bruchsal
Anfang 2000, das Ökobildungszentrum an der Rußheimer Waldmühle war gerade aufgegeben worden, bot sich eine Fortführung durch die Agenda 21 der Stadt Bruchsal an. Das alte Team um Otmar Rapp und Rudolf Sessler startete Anfang März auf zwei Grundstücken im Heubühl. Rudolf Sessler konnte mit der Agenda 21-AG der Realschule Ubstadt-Weiher beginnen und nach seiner Pensionierung im Juli mit Otmar Rapp ein größeres Team aufbauen.
Mit Fichtenstangen aus dem Stadtwald wurden Agenda-Küche, eine Agenda-Laube für Gruppenunterricht und Tipis konstruiert. Schwartenbretter, Abfallholz und Sperrmüllfunde ergänzten die Baulichkeiten und Installationen. Der reizende Nadelholz- und Heckenbestand auf einem ehemaligen Baumschulgelände forderte zu zahlreichen Baumhüttchen heraus. Dort konnten die jugendlichen MitarbeiterInnen ihr naturnahes Eigenleben entfalten, wenn sie ihre Arbeitspflicht erfüllt hatten. Durchschnittlich 15 Jugendliche arbeiteten an den Freitagen von 15.00 - 19.00 Uhr oder länger mit.
Ein Nachbargelände mit Streuobst, aber völlig verwildert, wurde mit 28 Bäumen neu bestückt, um gartenbauliche Elemente und kleine Feucht-und Trockenbiotope ergänzt. Die entsprechenden Tiere ließen nicht lange auf sich warten oder wurden eingesetzt. Sie werden im Frühjahr bis zu den großen Ferien in ca 15 Aquarien und Terrarien untergebracht und beobachtet. Wassertiere können leicht in den Tümpeln gefangen werden. So zählen zu den Mitbewohnern Molche, Wasser-und Grasfrösche, Erdkröten, Zauneidechsen, Ringelnattern und Schlingnattern, Blindschleichen, Kleinfische und Mäuse, verschiedene Insekten und Schnecken. Und in den Bäumen tummeln sich Rotkehlchen und Zaunkönig, Schwanzmeisen, Eichhörnchen, Siebenschläfer und Haselmäuse neben vielen anderen Tieren.
Das reizvolle Gelände lädt zur Freizeit ein. Doch es geht uns in erster Linie um eine Verantwortungspädagogik im Hinblick auf die Agenda 21: Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung.
Aus diesem Bereich werden Schwerpunkte gesetzt: Naturschutz im privaten Bereich, Lernen von den Hochland-Indios Perus, eine gerechtere und ökologischere Welt.
An Verhaltensstrategien werden praktiziert:
Kritischer und ethischer Konsum, nachhaltige Produktion, Zusammenarbeit mit Nichtregierungsrganisationen( besonders mit Attac :eine andere Welt ist möglich) Einmischung bei den Wahlen mit Agenda 21-Wahlprüfsteinen.
Mobilisierung spiritueller Kräfte: Mitarbeit am evolutionären Schöpfungsprozess, Mutter-Erde-Verehrung, praktische Zusammenarbeit mit den Hochland-Indios in Peru.
Seit 2003 besteht eine Agenda 21-Bildungspartnerschaft mit den Quechua-Indigenas San Pablo/Peru.
Lucho und Rudolf Sessler sind die wichtigsten Verbindungsleute. Letzterer arbeitet jährlich etwa 7 Wochen im Jan. und Febr. in den peruanischen Projekten mit: Ökogartenbau, Karpfen- und Kleintierzucht, Naturmedizin, Umweltbildung - und politisch-spirituelle Bildung
Die Hauptfinanzierung wird vom Projektegarten geleistet: jährlich etwa 3000.- EUR
Diese werden verdient durch etwa vierstündige Veranstaltungen: Pro Jahr kommen ca 25 Schulklassen, ca 15 Kindergärten und verschiedene Großgruppen. Hinzu kommen 4 Offene Sonntage, Verkauf von Gemüsepflanzen, Tonarbeiten, Adventskränzen
Nach 10 Jahren Projektarbeit ist eine kritische Rückschau hinsichtlich der Zielsetzung angebracht.
Außer Zweifel war die Resonanz auf die Veranstaltungen positiv. Unsere wichtigste Zielrichtung der politischen Resonanz war alles andere als erfreulich. Entsprechende Themen wurden nicht angenommen. Systemkritik hinsichtlich des Kapitalismus scheint tabu zu sein. Die Aktion "Solidarisch Mensch werden in einer globalisierten Welt" war weitgehend ein Fehlschlag. Außer dem Perukreis hatte sich keine engagierte Gruppe hinter die global-solidarischen Wahlkriterien gestellt, die an die 170 Kandidaten bei den Wahlen versandt wurden. Ein Hoffnungsschimmer bleibt. Die letzten Erntedank-Feste in Verbindung mit Mutter Erde-Verehrung zeigten den richtigen Weg. Die jungen Familien, nicht zuletzt die Kinder, haben die politischen Fragen zu „eine andere Welt ist möglich“ gestellt. Vielleicht haben wir dabei die Didaktik gefunden, die uns in unserer Zielsetzung weiter bringt.
Wir sind ja längst nicht zukunftsfähig, was vor allem die Gerechtigkeit betrifft.
Zur Situation unserer Welt ein Zitat von Jean Ziegler, dem ehemaliger UN-Berichterstatter für das Recht auf Ernährung: „Wie können wir den globalisierten Finanzkapitalismus und seine Akteure daran hindern, den Rest der Welt seiner mörderischen Herrschaft zu unterwerfen?“ Obszöner Reichtum und bittere Armut, Umweltzerstörung und Klimawandel fordern den Agenda 21-Prozess heraus.
Das Heubühl-Team dankt allen, nicht zuletzt der Stadt Bruchsal, die mit uns in dieser Richtung gegangen sind oder dabei geholfen haben.
Rudolf Sessler
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Projektegarten im Heubühl: Rundbrief
Dezember 2008
Liebe HeubühlerInnen, liebe Eltern, liebe Projektförderer!
Nun ist die Agenda 21-Partnerschaft mit San Pablo/Peru 5 Jahre
alt. Die Zielsetzung recht anspruchsvoll: auf dem Weg in "Eine
andere Welt ist möglich".
Auf der peruanischen Seite entwickelte sich rasch eine Ökogartenbau-Bewegung,
aus einem Versuch im Jahre 1998, den Pater Gabriel mit Rudolf Sessler
initiiert hatte.
Die zahlreichen Gemeinschaftsgärten wurden durch Meerschweinchen-
und Fischzucht, Medizinalpflanzen und vieles andere ergänzt. Die
basisdemokratische Moderation durch Lucho hat sich bewährt.
In den letzten Jahren konnten monatlich 1000.- EUR in die
Projekte gesteckt werden, das meiste davon für die ca 15 bezahlten
MitarbeiterInnen. Im Mai dieses Jahres musste auf 500.- EUR
abgespeckt werden, eine besonders harte Sache, da vor allem die
Lebensmittelpreise stark stiegen nach der Vorgabe der globalen Marktwirtschaft:
Agrosprit aus Nahrungsmittel verkauft sich besser als die Nahrungsmittel
selbst, da die Armen kaum Geld haben.
Da wir auf beiden Seiten gegen den spalterischen Neoliberalismus
und Kapitalismus zu Felde ziehen, finden wir deutscherseits
kaum politische und finanzielle Resonanz.
Um so mehr Dank all denen, die trotzdem mitverdient und gespendet
haben.
Dank auch der Stadt Bruchsal, die uns in diesem Jahr mit
2000.- EUR unterstützt hat, wobei 1400.- EUR für die Veranstaltungsreihe
"Solidarisch Mensch werden" gedacht sind. Frau Geider
vom Agenda 21 Büro hat uns ausgezeichnet geholfen.
Das meiste Geld haben wir im Projektegarten verdient durch
den Besuch von 17 Schulklassen, fünf Kindergärten, drei Offene
Sonntage, etliche weitere Treffen und zahlreiche Geburtstage. Nicht
zuletzt Adventskranzaktionen. Dazu kamen Spenden von Heubühl-Eltern.
Alles zusammen insgesamt 3.616.- EUR. Ein "hübsches Sümmchen"
von der Realschule Ubstadt steht noch aus und einige Spenden über
das Pfarramt St. Peter. Somit ist der geplante Projektminimalbetrieb
mit Bauernschule gewährleistet ... zunächst bis etwa Mai.
Die ca 15 HeubühlerInnen von 11- 69 Jahren haben sich gut bewährt,
ganz prima die Jugendlichen Arvid und Hannah, die seit Jahren zuverlässig
mitarbeiten.
Ein diesjähriger Schwerpunkt war die Veranstaltungsreihe "Solidarisch
Mensch werden in einer globalisierten Welt". Ein Workshop
mit Lucho führte uns in das Verhalten der Quechua-Indigenas
ein. Höhepunkt war der Erntedank-Sonntag im Oktober, als
wir mit Lucho und zahlreichen Familien Erntedank und Verehrung der
Mutter Erde, angelehnt an den andinen Ritus, feierten, wobei die
politischen Aspekte in der Runde nicht zu kurz kamen.
Hier sei erwähnt, dass die Mutter Erde-Zeremonie bis vor wenigen
Jahren in Peru in den Hinterhöfen statt fand. Unsere Agenda
21-Partner brachten sie in wenigen Jahren in die Dorfmitte, kombiniert
mit den Produkten aus dem Projekt und Kulturellem. Im Februar dieses
Jahres ist diese Zeremonie von einem Minister in den Rang eines
nationalen Festes gehoben worden.
Ein Erfolg unserer Strategie: Die Projekte, die wir beginnen,
sollen total an die einheimische Bevölkerung weitergegeben werden.
So ist eine geplante Altenherberge an die Kommune gegangen. Wahrscheinlich
passiert das bald mit der Karpfen-und Meerschweinchenzucht ( Meerschweinchen-kredite
u.ä.)
Einige Heubühlbuben entwickeln sich offensichtlich zu Baumhausaffen.
Könnte man meinen. Allein, sie essen alles, was frisch aus der Pfanne
kommt, verehren die Mutter Erde und lernen vom Sozialverhalten der
Quechuas. Mehr oder weniger. Hoffentlich können wir nächstes Jahr
mit ihnen mehr in der Öffentlichkeit auftreten.
Am 11. Januar fliegt Rudolf Sessler wieder für 6 Wochen zur Projektmitarbeit
nach Peru. Diesmal mit einer Fülle von Problemen, die
vor Ort das Projekt gefährden können. Im Rahmen der neoliberalen
Politik Perus rücken Agrospritkonzerne in den Regenwald
vor und und große Teile der Region San Pablo wurden vor Jahren
heimlich an Minen-Konzerne vergeben. Streiks und Auseinandersetzungen
mit den Campesinos sind zu erwarten. Ein möglicherweise reaktionärer
Neubischof könnte zur Aufgabe unseres Zentrums im restaurierten
Pfarrhausteil führen. Ein uns zugedachtes Neugelände ist von
Campesinos besetzt. Einige MitarbeiterInnen können ihren Lebensunterhalt
bei der schlechten Bezahlung nicht mehr bestreiten und suchen
- meist vorübergehend - bessere Verdienstmöglichkeiten.
Ich schließe mit der Adventshoffnung, dass die südamerikanischen
Basisbewegungen weiterhin auf gutem Kurs und politischen Erfolg
bleiben und somit die Menschenrechte gewährleistet werden. Auch
mit der Hoffnung, dass die vom Finanzdebakel betroffenen über das
kapitalistische System nachdenken und Alternativen suchen.
Rudolf Sessler
Allen MitarbeiterInnen und SpenderInnen gute Visionen für „Eine
andere Welt ist möglich“ und eine hoffnungsfrohe Weihnachtszeit.
Otmar, Hartmut, Burga, Rudolf, Lucho, Anja, Arvid, Hannah, Meira
...
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Projektegarten im Heubühl mit Agenda
21 San Pablo/Peru (APDASA 21) Entwicklung und Bilanz 2008
Agenda 21-Bildungspartnerschaft
Mit dem Weitblick des Kondors: Solidarisch Mensch
werden in einer globalisierten Welt
Projektentwicklung
Als im Jahre 1997 Pater Gabriel Im Rahmen eines Partnerschaftsbesuchs
(Pfarrei St Peter und Paul Bruchsal mit San Pedro y Pablo in den
Hoch-Anden Südperus) in Bruchsal weilte, erfuhr er, dass ein Bio-Lehrer
aus Bruchsal zwei Jahre im tropischen Regenwald im ökologischen
Gartenbau gearbeitet hatte. Gartenbau wünschte er sich auch
für seine Pfarrei. Rudolf Sessler war skeptisch, ohne Erfahrung
in Höhen von 3500-4000m, wo es keinen Gartenbau gab. Auf intensives
Drängen von Pater Gabriel legt R.S. Ende 1998 mit den Katecheten
einen Gartenbauversuch an. Nach drei Monaten liegen entsprechende
Fotos vor: ein voller Erfolg. In 11 weiteren mehrwöchigen Einsätzen
in den Folgejahren kann R.S das Projekt vor Ort begleiten und
beraten.
Im August 2000 besucht R. S. zahlreiche Gemeinschaftsgärten
(spontane Imitationen des Versuchs im Basisgartens) in Höhen bis
zu 4000 m.
Die schnelle Projektentwicklung ist hauptsächlich folgenden
Faktoren zuzuschreiben:
- Engagement und Motivationskraft (Spiritualität) von
Pater Gabriel, befreiungstheologisch orientiert.
Leider wird Pater Gabriel Anfang 2OO2 versetzt. Sein Neffe Juna
Camacho („Lucho“) tritt die Nachfolge an.
- Hochmotivierte Katecheten, fast durchweg arme Kleinbauern,
die Gartenbau und Pastoral miteinander verbinden. Sie erhalten
für ihre Beratungs- und Kursarbeit Taschengelder (50 Cent pro
Stunde)
- Gute Resonanz bei den christlichen Gemeinschaften in den
Bergdörfern
- Auf wenigen Regeln basierender Ökogartenbau. Einführung
von Rechen und leichten Hacken, die vom Schmied hergestellt
werden.
- Biologisches Saatgut, das zunehmend selbst nachgezogen
wird.
- Experimentelle und emanzipatorische Projektstrategie
auf der Basis von Prinzipien
Pünktlichkeit, Transparenz, Kritik fähigkeit, Lernen durch Versuch
und Irrtum, wechselseitiges Lernen, efektives Arbeiten ...
- Gartenbau, Spiritualität ( Pachamama= Mutter Erde ) und
Kultur (Tanzen, Singen und Musizieren) und Pastoral
werden miteinander verbunden und in zahlreichen Gemeinschaftsgärten
praktiziert.
- Basisdemokratische Projektmoderation durch den Anthropologie-tudenten
Juan Camacho ("Lucho")
Infolge der großen Vertrauensbasis des Projektes bei den“ Hochland-Indios“
(Quechua-Indigenas) und zunehmend auch bei anderen Bevölkerungsgruppen,
kann im Jan. 2003 ein Agenda 21-Bildungsprojekt begonnen
werden. Anlass war ein Treffen von ca 300 Indios in der Pfarrei,
Vertreter der Gemeinschaftsgärten und kultureller Gruppen. Nach
zahlreichen Berichten über die Gemeinschaftsgärten werden die Gartenbauregeln
in Liedern und Tänzen dargestellt.
Weitere Agenda 21-Gruppen werden gebildet: Karpfen-, Meerschweinchen-
und Bienenzucht Naturmedizin-Heilpflanzen, Spiritualität (Mutter
Erde und Befreiungstheologie), Politik, Umwelt, und Schulgärten,
Öko-und Solidaritätstourismus, alles was zur Armutsbekämpfung beitragen
kann. Die Bekämpfung der extremen Armut erfolgt 2005
in Zusammenarbeit mit der Pfarrei. Zwei Altenherbergen werden
gplant und entwickelt, Meerschweinchen- und andere Kredite
werden eingeräumt, vom Perukreis St.Peter mitgetragen.
Eine Agenda 21-Partnerschaft zwischen dem Projektegarten im
Heubühl (Bildungsprojekt der lokalen Agenda 21 Bruchsal) und
der Agenda 21-San Pablo entwickelt sich zunehmend.
Im Februar 2005 beendet Lucho vorläufig sein Anthropologie-Studium
als Bachelor und bewirbt sich mit Erfolg um ein Stipendium
in Deutschland. Anschließend schreibt er eine „Tesis“ (wissenschaftliche
Arbeit) über das Projekt. Große Anerkennung erhält er dafür von
der Universität Cusco. Die Arbeit wird als „Erster Schritt einer
Entwicklungsanthropologie“ gewürdigt. In dieser Zeit wird der
Junglehrer Rodolfo Flores als Projektmoderator gewählt und
bewährt sich prima.
Anfang 2007 wird eine Bauernschule gegründet, die regionalen
und überregionalen Zuspruch erfährt.
Lucho kommt im Mai 2008 nach Bonn, um zunächst Deutsch zu
lernen und dann im Okt. an der Uni Freiburg Caritaswissenschaften
zu studieren (2 Jahre). In dieser Zeit will Lucho an der Projektpartnerschaft
im Heubühl mitarbeiten, unter dem Motto „Eine andere Welt ist
möglich“. Die Gegenüberstellung Naturvolk (Quechua) und Zivilisationsvolk
kann eine Quelle der Erkenntnis sein, wenn es um eine zukunftsfähige
Gesellschaft geht, auf der Basis der Agenda 21. Eine weitere Orientierung
für unsere Agenda 21-Bildungspartnerschaft wird das Buch des Theologen
Ulrich Duchrow sein: „Solidarisch Mensch werden“. Eine entsprechende
Veranstaltungsreihe beginnt im Sept. 2008 und soll sich über
einen längeren Zeitraum erstrecken.
Die positive Projektbilanz im Okt. 2008
- Der basisdemokratische und emanzipatorische Ansatz haben sich
gut bewährt.
- Ökogartenbau mit Gemüse und Medizinalpflanzen
(Verarbeitung ingbegriffen) konnten in einer größeren Region eingeführt
werden
- Karpfenzucht und sehr wahrscheinlich auch Tilapa (Buntbarsch)-Zucht
konnten ebenfalls eingeführt werden.
- Meerschweinchenzucht wurde wesentlich verbessert und
intensiviert und erreicht besonders die extrem Armen.
- Das Basisprojekt in San Pablo (mit Büro, Unterkünften,
Restaurant und Demonstrationsgarten) hat Tochterprojekte in Yanaoca-Llallapara
(ca 4000m) in Checacupe (3400m), Queromarca (3400m). hervorgebracht.
Das erste Regenwaldprojekt in Pilcopata (500 m) ist in Planung.
Diese örtlichen Gemeinschaftsgarten-Zentren mit Ausbildung führen
zu zahlreichen Familiengärten, die inzwischen in die Hunderte
gehen.
- In zahlreichen Dörfern gibt es ausgebildete Ansprechpartner
für die Agenda 21 Kulturverfahren
- Umweltinitiativen haben besonders zur Müllbeseitigung
in San Pablo beigetragen.
- Die Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister in San Pablo
ist sehr gut und lässt eine finanzielle Beteiligung bei der Fisch-und
Meerschweinchenzucht erwarten.
- Die Mutter Erde ( Pachamama )-Verehrung, zunächst innerhalb
der Pfarrei praktiziert, hat sich im Laufe der Jahre zu einem
großen öffentlichen Fest entwickelt Dabei wurden die im Projekt
entwickelten Produkte ausgestellt. Anfang 2008 wurde das Fest
als national bedeutsames Fest eingestuft
- Die Erzdiözese Freiburg schickt uns neuerding seinen „Voluntario“
zur Mitarbeit ins Projekt.
Die negative Projektbilanz:
- Die große Hoffnung mit Hilfe des Ökotourismus nennenswerte
Projekteinkünfte zu erzielen, sind gescheitert.
- Die systematische Entwicklung von Kleinunternehmen ist zögerlich.
- Die Finanzierung des Projektes ist problematisch.
Die z.Z. etwa 10 bezahlten ProjektarbeiterInnen stecken
in der Finazierungsklemme. Campesinos verdienen 50 Cent,
Studierte 75 Cent pro Stunde. Im Mai 2008 werden die monatlichen
Geldüberweisungen von von 1000.-€ auf 500.- reduziert.
Mit diesem Geld müssen alle Projektkosten bestritten werden, was
sehr schwer fällt. Vier unserer besten Mitarbeiter haben
doppelt und dreifach bezahlte Angebote bei anderen Organisationen
angenommen. Das ist bei der vor - herrschenden Armut vor Ort
voll verständlich.
Das Projekt wird überwiegend über den Projektgarten im Heubühl
finanziert und einigen privaten Spendern. Zeitweise haben
Misereor, die peruanische Bischofskonferenz, das Schönborngymnsium
Bruchsal (Solidaritätsmarsch), die Agenda 21-AG der Realschule
Ubstadt-Weiher und andere Gruppen das Projekt mitgetragen.
An dieser Stelle sei allen herzlich gedankt, die zu diesem Projekt
beigetragen haben in einer der ärmsten Regionen Perus. In Vorbereitung:
Kleinpartner-oder Patenschaften sollen angeboten werden.
Die Zukunftsperspektiven:
Wir hoffen, dass durch die Mitarbeit von Lucho die Projektpartnerschaft
auf dem Weg: „Eine andere Welt ist möglich“ gestärkt wird.
Die Veranstaltungsreihe: „Mensch werden in einer globalisierten
Welt“ soll zur Änderung der politischen Fehlstrukturen
beitragen, damit unser Projekt eines Tages überflüssig wird. Einstweilen
müssen wir die Armutsbekämpfung auf allen Ebenen, besonders
der politischen, fortführen.
Mehr zur Thematik unter www.solidaritaetstourismus.de.
Kontakte
Rudolf Sessler Mozartweg 18 76646 Bruchsal Tel 07251 89437 e-mail:
rudolf.sessler@web.de
Juan Camacho (Lucho) e-mail: camacho74@yahoo.com
Spenden (mit Bescheinigung bei Adressenangabe) auf
das Konto 10 40 39 05 des Kath. Pfarramts St. Peter, Sparkasse
Kraichgau ( BLZ 663 500 36 ) mit Vermerk: Agenda 21-Bildung San
Pablo/Peru.
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Projektegarten im Heubühl: Rundbrief
September 2008
Liebe HeubühlerInnen, liebe Eltern, liebe Heubühl-und Peru-Partnerschaftsfreunde
Zunächst zum Projektegarten:
Unser ca 15-köpfiges Heubühlteam wurde durch die Mitarbeit
von Burga Batsching, Hartmut Storm und Ulrike Wintruff wesentlich
gestärkt. Auch Anja Ulrich will nach Beendigung ihres Euro-Jobs
weiter bei der Sache bleiben. Sie hat zahlreiche Geburtstage gestaltet
und ist noch am Ball.
In unserer Hauptsaison der Frühlings-und Sommermonate kamen
32 Schulklassen und Kindergärten in den Heubühl. Leider konnten
nicht alle Wünsche angenommen werden. Zusammen mit Geburtstagen,
dem Verkauf der Tontiere und Jungpflanzen (Otmar) haben wir ca.1700.-
€ für unser Partnerschaftsprojekt einnehmen können.
"Die Heubühl-Apus" haben sich ganz gut in den
Bäumen eingenistet. Im Workshop mit Lucho zu Anfang der Ferien
haben wir das spirituelle und praktische Leben des Quechua-Indianer
genauer kennen gelernt. Die Grundeinstellung dieses Naturvolkes
liegt im "Ayni". Das besagt: Alles ist mit allem
verbunden und alles soll in Respekt, Gegenseitigkeit und Liebe integriert
werden. Das trifft sich mit dem Urchristentum, das noch nicht die
"Wertwelt" des Kapitalismus verinnerlicht hatte.
Wir wollen versuchen, uns an dieses weit gesteckte Ziel ein
wenig anzunähern: Freiwillige gegen seitige Hilfe, Achtung vor
der Mutter Erde.
Was im Heubühl innerhalb einer relativ kleinen Gruppe gut gehen
mag, wird im globalen Zusammenhang einer vernetzten Welt ungeheuer
schwierig, da der weitgehend globalisierte Kapitalismus den
Spaltpilz in arm und reich in sich trägt und Politiker sich an seine
Versen hängen oder machtlos ihm gegenüberstehen.
Eine Frage möge das verdeutlichen: Was sollen wir davon halten,
wenn Aktionäre der Deutschen Bank ihr Geld "arbeiten"
lassen, um Regenwald in Agro-Sprit zu verwandeln, wobei die Regenwaldbauern
vertrieben werden, um ein elendes Dasein zu fristen? Und wenn dieser
Sprit in unseren Tanks landet? Hoch aktuell in Peru! (mehr dazu
von Rudolf Sessler bei Gelegenheit)
Zurück zum Heubühl: Unser Naturvölkchen in den Bäumen soll zunehmend
durch Kleidung und Ausstattung unser globales Anliegen im Sinne
der Agenda 21 verdeutlichen. So wurde auf dem Workshop mit Lucho
beschlossen, dass die Jugendlichen im "Dienst" (z.B. an
den Heubühl-Sonntagen) einen Sacküberzug tragen, dekoriert mit Naturmaterialien
und Symbolen der Quechua-Indianer. Lucho hat Bänder und Stirnbänder,
Anstecker u.a. mitgebracht. Jedem Jugendlichen steht frei, wieweit
er positve Propaganda für gerechten Handel, ethisch orientierte
Banken und Unternehmen ... macht oder negative Werbung für jene
Unternehmen, die Agenda 21-feindlich agieren, etwa Menschen-und
Gewerkschaftsrechte mit Füßen treten.
Nun zur Situation unserer Agenda 21-Partner in Peru. Wegen
Geldmangels des wachsenden Gesamtprojektes, mussten wir seit April
die monaltlichen Finanzen halbieren auf 500.- €, was nicht
leicht gefallen und nur teilweise gelungen ist. Wir mussten noch
mehr auf unbezahlte Mitarbeit setzen, wobei unser qualifiziertes
Personal teilweise verlockende Angebote von anderer Seite erhält.
Gottseidank hat uns der Bürgermeister von San Pablo versprochen,
im nächsten Jahr die Karpfen– und Meerschweinchenzucht in seinem
Haushalt zu berücksichtigen. Somit geht ein Stück Armutsbekämpfung
in die Verantwortung der Kommune über, wie inzwischen auch die zweite
Altenherberge, von der Agenda-Gruppe in Peru angeregt und dem Perukreis
mitfinanziert.
Erfreulich auch, dass ein relativ neues Tochterprojekt Queromarca
von der kath. Pfarrgemeinde Karlsdorf unterstützt wird.
Der Agenda 21-Lenkungsausschuss der Stadt Bruchsal hat dem
Projektegarten (in Zusammenarbeit mit dem Perukreis, Weltladen,
Tauschring...) 1.400.-€ für die Veranstaltungsreihe "Mensch
werden in einer globalisierten Welt" zur Verfügung gestellt.
Das gleichnamige Buch von Prof. Duchrow, evangelischer Theologe
in Heidelberg, entspricht ganz unseren Zielsetzungen und leistet
wertvolle Hilfe.
Der erste Teil Veranstlatungsreihe liegt für den Rest dieses Jahres
fest:
1. Der Projektegarten organisiert das Solidaritätsfest für unsere
peruanischen Partner am 21. Sept. von 14.00 -19.00 Uhr im Heubühl.
Solidaritätsspiele der Kinder werden im Vordergrung stehen.
Lucho wird die Projektbausteine austeilen und aktuelle Informationen
geben.Vielleicht können die Eltern einen Kuchen oder einen Salat
dazu stiften.
2. Die engagierten Gruppen veranstalten mit Prof. Duchrow einen
Vortrags-und Diskussionsabend am 7. Okt. um 19.30 Uhr im Technischen
Rathaus Bruchsal am Kübelmarkt. Hier wird die nach einer Analyse
des gegenwärtigen Herrschaftssystems die spirituelle und politische
Grundlage für "Eine andere Welt ist möglich" gelegt.
3.Der Projektegarten lädt für Sonntag, den 19. Okt. 14.00-19.00
Uhr zum Erntedank in Verbindung mit der Verehrung der Mutter Erde
ein. Die Zeremonie um 15.00 Uhr leitet Lucho in Anlehnung
an das Pachamama-Fest in San Pablo.Dieses Fest, das vor Jahren noch
im internen Kreis mit Pater Gabriel im Innenhof der Pfarrei gefeiert
wurde, ist durch die rasant wachsende Teilnehmerzahl (über 1000)
in diesem Jahr in den Rang nationaler Bedeutung aufgerückt.
Der Perukreis St. Peter feiert seinen Perutag am 23. Nov.
10.15 Uhr Gottesdienst in St. Anton. Anschließend Solidaritätsessen
im Pfarrheim. Danach Kaffee und Kuchen.
Um 16.00 Uhr treffen sich engagierte Gruppen in der Zielsetzung
des "Solidarisch Mensch werden..." im nebenan liegenden
Bernhardusheim zu einer öffentlichen Dikussion. Ein Schwerpunkt
wird die Frage sein, wieweit die Kirchen, kirchliche Gruppen und
Kirchenführer im Sinne der Veranstaltungsreihe solidarische Vorstellungen
haben.
Liebe Eltern!
Wir wollen mit unserer Agenda 21-Arbeit mehr in die Öffentlichkeit
gehen. Das bedeutet mehr Sonntagstermine. Diese haben sich bewährt,
benötigen aber entsprechend Personal, vor allem die Bereitschaft,
dass die jugendlichen MitarbeiterInnen ausreichend sich an den Sonntagsveranstaltungen
beteiligen und zuverlässig arbeiten. Es werden zwei Termine im Herbst
(siehe oben) und zwei Termine im Frühjahr und Sommer festgesetzt.
Dazwischen werden kurzfristig weitere Sonntagstermine eingeschoben,
basierend auf der aktuellen Bereitschaft unserer MitarbeiterInnen.
Mindestens 5 Termine innerhalb eines Jahres werden von den jugendlichen
MitarbeiterInnen erwartet.
Wir schließen mit der Hoffnung, durch unsere Arbeit ein wenig dazu
beitragen zu können, dass eine "andere Welt möglich" wird.
Die Keime dazu sind in engagierten Gruppen und Einzelpersonen gelegt,
die alternativen Modelle wachsen. In Bruchsal müssen wir von einem
verfestigten Sediment ausgehen, das die alternativen Keimlinge sehr
beschränkt.
Mit solidarischen Grüßen
R.S. für das Heubühlteam
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Modell
zum Raubtierkapitalismus
An alle, die von der Agenda 21
(Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung) überzeugt
sind und damit eine gute Zukunft für die gesamte Menschheit
suchen.
Wie oft haben wir gehört: die ganze Menschheit sitzt in einem
Boot. Man könnte meinen, dass die Politiker das Steuerruder
in der Hand hätten. Aber wenn immer mehr Menschen in unserem
Lande meinen, keine Partei könne das riesige Arbeitslosenproblem
lösen, dann wird zunehmend klar, dass die gewählten Steuermänner
nicht mehr viel ausrichten können.
Besonders in den letzten 15 Jahren haben bei der ökonomischen
Globalisierung die Geldmächte das Ruder in die Hand genommen.
Die werfen alle über Bord, die sie nicht brauchen können:
als Arbeitslose, als Hungernde, als Flüchtlinge... Sie haben
auch weitgehend die gewählten Regierungen im Griff. Mit den
unkontrollierten Finanzmärkten lässt sich keine Agenda
21- Zukunft gewinnen. Leider kommt dieses globale Problem dem Wähler
erst langsam zum Bewusstsein, und die Lösungsansätze stecken
noch in den Kinderschuhen.
Wir wollen uns an dieses zentrale Thema ran arbeiten und mit Hilfe
eines Modells die Problematik darstellen, nebst den Lösungsansätzen.
Es soll ein weiteres Heubühl-Thema werden, als Angebot an Schulklassen.
Eine ganze Schulklasse soll sich an diesem Raubtier-Kapitalismus-Modell
schulen können.
Der Projektegarten im Heubühl
ist partnerschaftlich mit
dem Agenda 21-Bildungsprojekt APDASA21
San Pablo/Peru verbunden.
Lucho, der drei Jahre das Partnerschaftsprojekt moderiert hat, steht
als Hochland-Indio auf der Seite
der Verlierer, wir in Deutschland zumeist auf der Seite der Gewinner,
obwohl auch in Deutschland immer deutlicher die Schere
von wenigen Gewinnern und immer mehr Verlierern auseinanderklafft.
In seinem Anthropologie-Studium hat Lucho sich gründlich mit
dieser Thematik befaßt. Befreiungstheologisch orientiert,
steht er für Kampf gegen den
Neoliberalismus.
Mit Attac setzen wir auf
eine gesunde Agenda 21 orientierte
Globalisierung, als Alternative
zum vorherrschenden globalen "Raubtierkapitalismus"
(so benannt durch Altkanzler Helmut Schmidt) und bauen auf die Hoffnung:
Eine andere Welt ist möglich.
Sicherlich ist das Thema äußerst komplex und schwierig,
nicht zuletzt in der Vermittlung. Wir wollen versuchen, mit Hilfe
eines Modells diesen Raubtierkapitalismus besser zu verstehen lernen
und andere Möglichkeiten aufzeigen, entwerfen und mobilisieren.
Als theoretische Grundlage dienen
uns u.a:
- Jean Ziegler (UNO-Menschenrechtsbeauftragter) "Die neuen Herrscher
der Welt"
- Heiner Geißler:" Was Jesus heute sagen würde"
- Ulrich Duchrow: Leben ist mehr als Kapital
Als Modell für den
Raubtierkapitalismus sind lebende Raubtiere tabu. Diese sind allesamt
in die Ökologie des Gesamtorganismus Erde problemlos eingebunden.
Wir wählen als Modell eine
fiktive Chimäre, die der Mensch aus Teilen der Tierwelt
genetisch zusammengeflickt hat und das künstliche Gen: absoluter
Freßwahn eingepflanzt hat.
El Pulpo(der Krake) wie man den Neoliberalismus in Lateinamerika
nennt, wird seine Anteile an dieser Chimäre haben und natürlich
ist auch das Hai-Gebiß symbolträchtig.
Der Kopf des Raubtieres
symbolisiert das globale spekulierende
Finanzkapital, an dem die Geschäftsbanken und transnationalen
Konzerne hängen.
Die Fangarme stehen für
die Praktiken in der freien Marktwirtschaft:
Privatisierung, Entmachtung der gewählten Politiker, Plünderung
der Ressourcen, Propagierung des konsumistischen Individuums, Rüstungsindustrie,
Rationalisierungsprozesse, Patentierung von Lebewesen, Steuerfluchtinseln,
Sonderproduktionszonen, kolaborierende Politik-Organisationen wie
WTO, IWF, Weltbank... (von Reichländern dominierte UNO-Organisationen).
Die Saugnäpfe an den Fangarmen
symbolisieren die negativen
Auswirken auf die Weltgesellschaft (unter Agenda 21-Gesichtspunkten)
z.B. Sanierung der grössten "Deutschen Bank", Steuerflucht
-Oase Luxemburg, die WestLB bei der Ölausbeutung in Ecuador,
Reispatentierung, Zuchtsorten in Kombination mit Chemie-Paketen,
Sportbekleidunghersteller im Zusammenhang mit Kinderarbeit, Quartalsdenken
bei AktienGesellschaften ...........
Die Kämpfer gegen
den Raubtierkapitalismus representieren Einzelpersonen, Gruppen,
NROs, Bewegungen, Politiker und politische Kräfte, kritischen
Konsum. Allem arbeiten sie im Sinne der Agenda 21. Auch der kulturelle
und spirituelle Widerstand ist hier vertreten.
Die Spielabfolge
Das "Raubtier" hat einen
großen zentralen Krakenkopf,
der von zwei Spielern bewegt wird. Vom Kopf gehen die Fangarme aus,
die als Kopfkappen auf den
Köpfen der Fangarm-Beweger
enden. Die Kopfkappen tragen nummerierte
Tennisbälle, die mit Klettband befestigt sind. (Symbole
für Saugnäpfe)
Das "Raubtier", monstruo global, bewegt sich innerhalb eines Kreises,
der mit einem Seil markiert ist.
Die Kämpfer gegen das Raubtier
besitzen ein Brustschild
aus Pappe, auf der ein Kampf-Impuls
dargestellt ist: Dazu gehören alle Agenda
21-tauglichen Tätigkeiten wie biologische Landwirtschaft,
Fairer Handel,Tauschringe, Regionalgeld, ......................
Die Kämpfer haben eine Schlingenangel,
mit der sie einen Tennisball
(Saugnapf) abreißen
können. Der numerierte Tennisball
führt sie zu einem Tatbestand
der Raubtier-Aktivität und
zu einem Agenda 21-Gegen-Impuls, der in den Bäumen zu
finden ist.
Diesen Impuls befestigen die Kämpfer
auf ihrem Brustschild und kämpfen an einem entsprechenden
Fangarm weiter. Haben sie dem Raubtier einen Saugnapf
abgerissen, wird dessen Aktions-Radius
verkleinert, indem eine Innenschlinge des Seils gelegt wird.
Das Raubtier kann sich wehren,
indem die Kopfkappenträger
am Ende der Fangarme ihrerseits mit Schlingenangeln,
den Agenda 21-Kämpfern Tennisbälle
vom Gürtel reißen. Diese Tennisbälle stehen
für Agenda-Tätigkeiten. Als Folge wird der Seilkreis des
"Raubtiers" vergrößert.
So geht der Kampf eine begrenzte
Zeit hin und her. Es wird dann in der Runde aller Spieler
ausgewertet, wobei die Information
über Verhaltensmuster beider Seiten im Vordergrund stehen.
Diskussionsrunde
Anschließend trifft sich die gesamte Spielerschar zur Besprechung
über kulturelle und spirituelle
Beweggründe für ein Umdenken beim derzeitig vorherrschenden
globalen Raubtier. Dabei muss auch die Frage gestellt werden, wieweit
jeder selbst, wissentlich
oder unwissentlich, gewollt oder nicht gewollt, ein Teil
des neoliberalistischen Systems ist, als Gewinner oder Verlierer.
Auch die Praxis des eigenen Kampfes
und Vernetzung mit anderen Kämpfern
ist zu diskutieren.
Zwei Grundrichtungen der Bekämpfung sollen klar angepeilt
werden. Zum einen die Regulierung
(Domestizierung) des Kapitalismus bis zur weitgehenden Erreichung
der Agenda 21-Ziele, bei der allerdings Gerechtigkeit auf die Menschenrechte
reduziert ist. Zum anderen muss die Option
einer Überwindung des Kapitalismus in all seinen Spielarten
durch eine globale friedliche Revolution
diskutiert werden.
Kontemplationsrunde
In einer weiteren Runde sollen die spirituellen
Beweggründe durch eine Kontemplation vertieft werden,
(z.B. Mutter Erde-Denken) Dabei soll klar werden, dass der Neoliberalismus
in sich ein Auslesesystem ist. Seine Akteure
können korrupt und mafiös sein, sie können
aber auch sauber angepasst handeln und schließlich auch alles
daran setzen, die negativen Auswirkungen
zu kompensieren (allerdings mit Gefahr, dass sie selber dem
internen System-"Kanibalismus" zum Opfer fallen).
Anmerkung: Dieser grobe Entwurf
ist unvollständig und muss sicherlich gründlich
überarbeitet werden.
Die Diskussion wird bereits ein Fortschritt darstellen, denn dieses
Thema war weitgehend tabuisiert
durch "Tina" (there is no alternative). Wir wollen uns unter
keinerlei Zeitdruck bei der Entwicklung des Modells stellen. Im
Falle eines technischen Gelingens soll das monstruo global im Heubühl
für Schulklassen und andere Gruppen, die im Agenda 21 Sinne
handeln wollen als Trainingsmodell zur Verfügung stehen.
Wer in irgendeiner Form, sei es
praktisch oder ideell, mitarbeiten möchte, möge sich bei
einem Verantwortlichen des Projektegartens melden. Die Form der
Mitarbeit kann jeder selber wählen. Wir hoffen auf die Mitarbeit
des Weltladens, des Tauschrings, des Forum eine Welt Bruchsal, der
Peru-Kreise und anderer Nord-Süd-Partnerschaften und zahlreicher
Neoliberalismus-Kritiker ...
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